Cosmeceuticals von Pierre Fabre: Mit Pharma-Touch

Von der „Gesundheit bis zur Schönheit“ lautet das Motto von Pierre Fabre. Und damit dieser Leitgedanke zutreffen kann, ist in den Fertigungs- und Verpackungsprozessen Vieles zu beachten. Die qualitativen und die Hygiene-Anforderungen sind bei der Verarbeitung von Cosmeceuticals außerordentlich wichtig.
Das französische Unternehmen Pierre Fabre entwickelt und produziert Cosmeceuticals, sowie onkologische und dermatologische Arzneimittel. Pflanzliche und synthetische Wirkstoffe werden hierfür mit hohem Aufwand erforscht: Nach eigenen Angaben reinvestiert Pierre Fabre rund 14 Prozent des pharmazeutischen Umsatzes in die pharmazeutische Forschung und Entwicklung.

Somit kennt Pierre Fabre sowohl die pharmazeutischen Höchstanforderungen an aseptische Verarbeitungsprozesse – genauso wie die Erfordernisse der Cosmeceuticals. Pharmazeutische Wirkstoffe und Wirkstoffe in Cosmeceuticals weisen durchaus Gemeinsamkeiten auf. Denn auch viele Wirkstoffe in Cosmeceuticals sind in der Gewinnung kostenintensiv und sensibel in der Verarbeitung. Dementsprechend hoch sind die Hygiene-Anforderungen beim Abfüllen und Verpacken. Technologien aus dem pharmazeutischen Maschinenbau können daher Vorbild für die Verarbeitung von Cosmeceuticals sein, ohne dass diese einfach kopiert werden.

Ein Segment der erfolgreichen Cosmeceuticals-Sparte von Pierre Fabre sind Produkte für die Körperpflege. Um den besonderen Anforderungen beim Abfüllen und Verpacken dieser Produkte gerecht zu werden, hat Optima ein individuelles Maschinenkonzept mit der OPTIMA Moduline erarbeitet. Die OPTIMA Moduline bietet höchste Flexibilität beim Füllen und Verschließen von unterschiedlichen Gebinden. Für André Raynaud, der das Projekt bei Pierre Fabre verantwortlich betreute, zählte bei der Investitionsentscheidung zudem, dass es sich um ein Standard- und somit um ein bewährtes (modulares) Maschinenmodell handelt.
OPTIMA Moduline
Über 20 Kosmetika – darunter zahlreiche Zweiphasenprodukte – werden mit der flexiblen Verpackungsanlage verarbeitet.

Zwei Wirkungsweisen mit einem Cosmeceutical

Die so genannten Zweiphasenprodukte von Pierre Fabre bringen hohe Anforderungen an den Füllprozess mit sich. Diese dermatologischen Cosmeceuticals sollen beispielsweise reinigen und pflegen (vgl. Kasten). Auf der Moduline werden dabei flüssige bis stark zähfließende sowie schäumende Liquida verarbeitet: Lotionen, Wasser, Gel, Öle und milchige Produkte. Sollen nun Produkte mit so unterschiedlichen Eigenschaften in einem Behältnis vereint werden, braucht es eine besondere technische Lösung.

Speziell dafür hat Optima ein Füllmodul entwickelt, das einen getrennten Fülldüsenhub für die ersten drei und die zweiten drei Füllstellen aufweist. Jedes Zwei-Phasenprodukt wird somit in zwei Etappen befüllt. Die ersten drei Füllstellen dosieren die erste Phase und die zweiten drei Füllstellen dosieren die zweite Phase.

So finden nun zum Beispiel ölige und wässrige Flüssigkeiten in einem durchgängigen, linearen Prozess zueinander. Solche Zwei-Phasenprodukte werden dann erst kurz vor der Anwendung des Cosmeceuticals geschüttelt, die Inhaltsstoffe vermischen sich für kurze Zeit, um sich nach der Anwendung gleich wieder zu separieren.
Optimal für Zwei-Phasenprodukte
Optimal für Zwei-Phasenprodukte: Das Füllsystem dosiert die verschiedenen Komponenten in zwei Schritten mit jeweils spezifischem Fülldüsenhub.
Da es sich um wertvolle Inhaltsstoffe handelt, ist eine hohe Füllgenauigkeit ein wichtiges Kriterium. In der Produktion bei Pierre Fabre erreicht die OPTIMA MODULINE heute eine Füllgenauigkeit von insgesamt 98 Prozent. Zur Kontrolle der Füllgenauigkeit kann das Bedienpersonal am HMI über den Sample Mode Produktproben anfordern. André Raynaud erläutert, dass diese ohne Produktionsstopp in den Ausschub transportiert werden. Je nach Auswahl gelangen Behältnisse mit dem ersten Phasenprodukt, dem zweiten Phasenprodukt oder mit der Gesamtmenge befüllt in die dafür vorgesehene Spur.
Schnell mal wechseln

Auf der MODULINE werden vier Formate von 20 bis 50 Milliliter verarbeitet. Die effektive Leistung liege bei 80 bis zu 120 Behältnissen pro Minute, sagt André Raynaud. Eine immense Produktvielfalt ergibt sich aufgrund der vielen unterschiedlichen Inhaltsstoffe. „Aktuell dosieren wir 20 unterschiedliche Formulierungen in zwei Formate. Ab September 2018 kommen noch zwei weitere Formate für Haarshampoo-Produkte hinzu“, so André Raynaud.

Jeder Produktwechsel erfordert das Reinigen der produktberührenden Teile. Dieses findet bei Pierre Fabre in einer separaten Waschmaschine statt. Daher ist ein Ausbau der produktberührenden Dosierteile erforderlich. Optima bietet eine komplett werkzeuglose Lösung: Mit verschiedenen Handgriffen sind die Verbindungen gelöst und beispielsweise die Dosiernadeln sicher verstaut. Mit Hilfe eines Trolleys werden die produktberührenden Teile entnommen und zur Reinigungsstation gefahren. Ein zweiter Satz Dosierteile steht dann bereits gereinigt an der OPTIMA MODULINE bereit und kann eingebaut werden.

Über 20 Kosmetika werden mit der flexiblen Verpackungsanlage verarbeitet.
    
Über 20 Kosmetika werden mit der flexiblen Verpackungsanlage verarbeitet.
    
Die Verarbeitung der Cosmeceuticals führt zu weiteren Besonderheiten. „Die Maschine befindet sich in einer klimatisierten Umgebung, die zudem mit gefilterter Luft versorgt wird“, berichtet André Raynaud. Innerhalb der eingehausten Maschine führt ein gerichteter Luftstrom Partikel an Füll- und Verschließstationen – und somit auch am Produkt vorbei. Er ergänzt: „Innerhalb der Füll- und Verschließeinheit erreichen wir eine Klassifizierung gemäß ISO 8“. Die Laminarflow-Einheit hat Pierre Fabre von einem französischen Hersteller bezogen, sie wurde unter Optima Regie eingebunden.

Ein ganz anderer und ebenfalls immens wichtiger Aspekt in der Verarbeitung von Cosmeceuticals sind Nachweise und Zertifikate. Hier sind zunächst die produktberührenden Materialien zu beachten, die alle über ein Materialzertifikat verfügen. Zudem wurden die Schweißnähte mit Produktkontakt von zertifizierten Schweißern durchgeführt. Im gesamten Bereich der Dokumentation konnte Optima Consumer dabei auf das Know-how von Optima Pharma zurückgreifen, wo diese Vorgehensweisen und die so genannten 3.1 Zertifikate Standard sind.

Miteinander erfolgreich

Das Projekt und die Zusammenarbeit verliefen sehr effizient, konstruktiv und harmonisch. Nach der Auftragsvergabe kam es zu keinen konzeptionellen Änderungen. Die tägliche Kommunikation zwischen Pierre Fabre und Optima sowie der enge Kontakt mit weiteren Zulieferern führten zum gemeinsamen FAT in Schwäbisch Hall. Mitte Oktober 2017 folgten die Inbetriebnahme und der Produktionsbeginn in Soual (Südfrankreich), die beide erfolgreich und wie geplant durchgeführt wurden. Voll des Lobes erwähnt André Raynaud die Termintreue über das gesamte Projekt hinweg, die Kundenorientierung und nicht zuletzt die sehr guten Sprachkenntnisse der Optima Projektleiterin Kristina König, was die Kommunikation und Zusammenarbeit stark vereinfachte.

Auf die Frage, was zu Beginn des Projekts wesentlich zur Entscheidung geführt habe, den Aufrag an Optima zu vergeben, antwortet André Raynaud: „Vor allem die guten Erfahrungen, die wir zuvor bereits mit unserer ersten Optima Maschine gemacht haben.“ Die neue Linie scheint die Erwartungen zu bestätigen: „Bis heute haben wir rund fünf Millionen Einheiten auf der Anlage produziert. Die Funktion ist sehr gut“, lautet das Fazit des französischen Projektleiters.
Welche Merkmale unterscheiden Kosmetik, Arzneimittel und Cosmeceuticals? Seitens der Gesetzgebung bestehen hierzu keine verbindlichen Regelungen und Definitionen. Cosmeceuticals sind, wie Kosmetika, lediglich der EU-Kosmetikverordnung unterworfen und müssen verträglich und sicher sein. Ein gewisser Interpretationsspielraum verbleibt somit.

Die Hersteller selbst und beispielsweise auch Marktforschungsinstitute berufen sich darauf, dass Cosmeceuticals durch aktive Inhaltsstoffe gekennzeichnet sind, welche die Hautbarriere durchdringen (jedoch nicht in die Blutbahn gelangen dürfen). Sie bringen einen gesundheitlichen Nutzen mit sich (dürfen jedoch nicht versprechen, Krankheiten zu lindern oder zu heilen).
Die Idee hinter den Zweiphasenprodukten ist eine erweiterte oder intensivierte Wirkungsweise. Beispielsweise kann dies eine reinigende Funktion eines Wirkstoffs an der Hautoberfläche sein, damit anschließend ein zweiter Wirkstoff tiefer in die Haut eindringen kann und für eine besonders gründliche, tiefgehende Reinigung der Hautporen sorgt. In Zweiphasenprodukten werden außerdem reinigende und pflegende Wirkstoffe zusammengeführt. Auch die Kombination von feuchtigkeitsspendenden und rückfettenden Inhaltsstoffen findet sich in vielen Zweiphasenprodukten. Ein Merkmal vieler Zweiphasenprodukte ist der Verzicht auf Bindemittel. Beide Wirkstofftypen befinden sich in einem Behältnis, vermischen sich jedoch aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften nicht miteinander. Erst durch Schütteln des Behältnisses kurz vor der Anwendung entsteht die gebrauchsfertige Mischung.
Für Sie entscheidend
  • Nicht (regulatorisch) verpflichtend, aber sinnvoll: Cosmeceuticals enthalten in der Regel aktive und sensible Wirkstoffe, die eine sehr schonende Verarbeitung nahelegen.
     
  • Anleihen aus der Pharmatechnik finden sich beispielsweise in Hygiene-Funktionen wie dem Laminar Flow oder in den 3.1-Zertifikaten wieder.
     
  • Bei den wertvollen Inhaltsstoffen ist eine hohe Dosiergenauigkeit ein wichtiges Kriterium für die Wirtschaftlichkeit.
     
  • Im Segment Cosmeceuticals finden sich häufig Zweiphasenprodukte, von denen viele mit Hilfe spezieller Dosiertechnik in ein Behältnis abgefüllt werden können.
     
  • Die spezifisch abgestimmten Inhalts- und Wirkstoffkombinationen ergeben meist eine sehr große Produktvielfalt. Hochflexible Anlagen sind genau darauf ausgelegt.

 Mit freundlicher Genehmigung von Pierre Fabre

©
2020
OPTIMA packaging group GmbH - Alle Rechte vorbehalten.